![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
5.3 Die Monokontexturalit�t des CI als Grenze seiner Selbstreferentialit�t
Diese Widerspr�chlichkeit zu erkennen, hei�t nun aber f�r den Kalk�l, da� hiermit offenbar nicht die gesuchte Formalisierung f�r den Proze� der Differenzierung erreicht wird, die ja, wie Becker zurecht anf�hrt, eine selbstreferentielle Operation ist. Der calculus of indication sowie Varelas Weiterentwicklung zeigen vielmehr, da� sie gemeinsam auf den beiden S�ulen von Hetero- und Selbstreferentialit�t ruhen. Heteroreferentialit�t jedoch darf nicht ins Spiel kommen, wenn es darum geht, eine nicht positiv-sprachliche Abbildungsform zu finden, f�r jene nicht von einem Ursprung her gedachte dialektische Struktur, wie sie sich in der diff�rance andeutet. Hier war ja gerade das simultane, und das hei�t das nicht mehr auf eine Linearit�t zur�ckf�hrbare, wechselseitige Gr�nden von Unterschied und Unterschiedenem der zentrale Aspekt, der sich als die Bedingung der Semiosis in seiner prozessualen Darstellbarkeit der (Positiv)Sprache entzog. D.h. erf�hrt der Kalk�l nicht nur eine entscheidende Schw�che in der widerspr�chlichen Anlage von Konzeption und Formalisierung der indication, so zeigt sich das grundlegende Problem f�r den hier relevanten Zusammenhang darin, da� die von Spencer Brown vorgeschlagene Formalisierung der Differenzierung diese nicht aus einem klar strukturierten Sukzessionsverh�ltnis befreien kann, welches in der zeitlich vermittelten Abfolge von Unterscheiden und Unterschiedenem angelegt ist.1 Aus dieser Linearit�t leistet dann auch die gleichsam postume R�ckkehr in die Zirkularit�t mittels des re-entry kein Entkommen, insofern die hiermit eingeleitete zirkul�re Struktur sich als Einstieg in einen infiniten Regress erweist.2 Interessant und aufschlu�reich an dieser Stelle nun ist es, einen Blick darauf zu werfen, aus welchen Gr�nden der von Spencer Brown und in seiner Nachfolge von Varela konzipierte Kalk�l nicht in der Lage ist, jene Aspektdoppelung abzubilden, wie sie notwendig ist, um das Ph�nomen der diff�rance �ber jene von Derrida angestrebten Ein- und Um-Schreibungen hinaus einer Darstellung zug�nglich zu machen, die ja im Rahmen der Positivsprache zwangsl�ufig nie zu ihrem angestrebten Ziel selbst vorzudringen verm�gen.
Einen ersten Hinweis liefert die Axiomatik des calculus of indication. Spencer Brown ben�tigt f�r seinen Kalk�l zwei Axiome, die in ihrer Schlichtheit die Einfachheit seines Systems widerspiegeln bzw. begr�nden. Axiom 1 oder the law of calling ist relativ unproblematisch und besagt, da� der Wert einer wiederholt ausgef�hrten Unterscheidung immer nur wieder der einer Unterscheidung sein kann. D.h. durch das sukzessive Ausf�hren von Unterscheidungen wird als Vollzug qualitativ gleichwertiger Akte kein(e) akkumulative(r) Qualtit�tswechsel/-steigerung erzielt, das Selbe in Wiederholung ist dem Selben gleichwertig. The value of a call made again is the value of the call."3 In formalisierter Darstellung erscheint the law of calling dann als the form of condensation, da sich die wiederholt ausgef�hrten Unterscheidungen nicht zu einer summarischen Gr��e aufaddieren, sondern sich gemeinsam im Wert ihrer selbst verdichten:| | = |.4
Problematischer wird es, wenn der Blick auf Axiom 2, bzw. the law of crossing f�llt. Dabei handelt es sich zwar ebenfalls um die wiederholt ausgef�hrte Unterscheidung, jedoch in einer anderen, nicht von einander getrennten Anordnung, sondern als die auf sich selbst angewandte Unterscheidung. Wie bereits ausgef�hrt wurde, teilt eine Unterscheidung den Raum in ein diesseits und jenseits der gezogenen Grenze, womit das Erreichen eines Punktes im Au�en vom Innen her nicht ohne einen Grenz�bertritt vollzogen werden kann. Soll nun der Weg wieder zum Ursprungspunkt zur�ckgehen, so mu� erneut die Grenze �berschritten werden, und zwar auf dem selben Weg in umgekehrter Richtung. Der Wert einer solchen doppelten �berschreitung nun entspricht dem einer nichtvollzogenen �berschreitung, �hnlich wie sich Vektor und Gegenvektor gegenseitig aufheben. Es gilt also for any boundary, to recross is not to cross."5 Demgem�� erscheint in der Spencer Brownschen Notation, d.h. in der form of cancellation auf der den Wert bezeichnenden Seite der Gleichung das (bei ihm nicht eigens notierte) Leerzeichen: || = .6 An dieser Stelle nun ist jedoch auch eine andere Lesart m�glich, die einen deutlichen Hinweis auf die strukturellen Voraussetzungen liefert, denen Spencer Brown und infolge dessen auch Varela verpflichtet sind. Wenn die Unterscheidung den auf ihrer Innenseite befindlichen Wert angeben kann (p|)7, so erscheint als dieser Wert in dem hier vorliegenden Fall erneut eine Unterscheidung. ( ||) Anders ausgedr�ckt unterscheidet hier die Unterscheidung nicht mehr allein den Raum in ein Innen und Au�en, sondern markiert den als Innen unterschieden Raum erneut als eine Unterscheidung. D.h. die konkave Innenseite der ersten Unterscheidung beinhaltet wiederum eine Unterscheidung, die demgem�� eine weitere Teilung des Raumes in Innen und Au�en vollzieht. Damit aber taucht eine Schwierigkeit bez�glich des Raumes auf, der sich zwischen den beiden mark of distinction erstreckt, insofern er zum einen f�r die �u�ere Unterscheidung als Innenraum, zum anderen f�r die innere als das Au�en erscheint. Eine solche �berdetermination aber kann nicht widerspruchsfrei gedacht werden, denn es hei�t eindeutig Call the concave side of a token its inside",8 wobei zuvor ausdr�cklich festgestellt wurde In general, what is not allowed is forbidden."9 Somit gilt strikt und eindeutig a -a, tertium non datur, was hinsichtlich des Raumes zwischen den Markierungen soviel bedeutet, als da� er entweder Innen- oder Au�enraum sein mu�. Das aber f�hrt zu Konflikten mit den Aussagen �ber diesen Raum, wie sie sich von den jeweiligen Markierungen herleiten, da er f�r die eine Unterscheidung gem�� der obigen Definition Innenseite, f�r die andere hingegen Au�enseite ist.10 Damit jedoch ist dem Satz vom verbotenen Widerspruch innerhalb der Formalisierung des zweiten Axioms nicht mehr Folge zu leisten, hei�t es doch f�r den Raum, der sich zwischen den beiden Unterscheidungen aufspannt, da� er sowohl Innenraum, als auch und gleichzeitig Au�enraum ist.11
Die Schwierigkeiten, die f�r Spencer Brown an dieser Stelle auftreten, haben ihre Ursache in einer dem gesamten Kalk�l zu Grunde liegenden Struktur, die bereits im Zusammenhang des re-entry ihre h�chst unliebsamen Konsequenzen zeitigte. Sie wurde dort als jenes Denken markiert, das, trotz aller Bem�hungen, eine echte Selbstreferentialit�t abzubilden, immer noch einem linearen und das hei�t Ursprungsdenken verhaftet ist. Es zeigt sich nun jedoch, da� diese von einem Ursprung her konzipierte Linearit�t selbst nur Ausdruck eines tieferliegenden Schemas ist, das sowohl den soeben festgehaltenen Widerspruch �berhaupt als einen solchen erkennen l��t, wie es dar�ber hinaus f�r ihn allererst verantwortlich zeichnet. Gemeint ist jene klassisch-logische Trinit�t, die als die fundamentale Basis des Denkens dessen Konsistenz und Stringenz zu sichern sucht, und die in den S�tzen der Identit�t (a = a), des verbotenen Widerspruchs �(a �a), sowie dem ausgeschlossenen Dritten (a � a) ihren Niederschlag findet. Dieses logische Dreigestirn f�hrt bez�glich der form of crossing zu den erw�hnten Schwierigkeiten, insofern der zwischen den marks befindliche Raum, so er mit sich identisch ist (a = a), nicht zugleich innen und au�en sein kann (�(a �a), er also entweder Innenraum oder Au�enraum sein mu�, da ein Drittes nicht gegeben ist (a �a). Trotz allem zeigt sich aber, da� der Raum und eben immer derselbe Raum zugleich innen als auch au�en ist, womit das Selbe pl�tzlich als das Andere erscheint. Das Selbe ist das Andere; das Innen ist das Au�en; wie l��t sich solches vor einer von den drei obigen S�tzen strukturierten Logik denken, oder umgekehrt, wie l��t sich die logische Trinit�t vor den hier angef�hrten Evidenzen aufrecht erhalten? Der klassischen Logik zufolge, und das hei�t der durch die drei S�tze konstituierten Logik, lassen sich allen Aussagen die bin�ren Wahrheitswerte von wahr und falsch zuordnen, wobei durch die drei angef�hrten S�tze jede Ambiguit�t oder �berdetermination ausgeschlossen ist. Gilt dieser Anspruch prinzipiell f�r alle S�tze �ber die Welt, so bedeutet dies umgekehrt den absoluten Universalit�tsanspruch einer solchen Logik. Was einmal und an einem Ort f�r wahr erkannt wurde, kann an keiner anderen Stelle als falsch gelten. Die Syllogismen des Aristoteles lassen damals wie heute Sokrates aus seiner zuerkannten Menschlichkeit als sterblich hervorgehen, und eine Ver�nderung ist in der n�chsten Zeit nicht zu erwarten. Gilt solcherart die zweiwertig-klassische Logik uneingeschr�nkt universal, so l��t sich von einem logisch homogenen Raum sprechen, da keine Enklaven ausgemacht werden k�nnen, innerhalb derer diese Logik keine Geltung beanspruchte. Dieses Prinzip, da� die eine Logik von einem dann notwendig absoluten Punkt aus die Welt unter ihr Raster fa�t, nennt G�nther demgem�� Monokontexturalit�t. D.h. der gesamte Bereich des Seins bildet einen bruchlos-homogenen Raum", eine Kontextur, die ihre Einheit aus der unumschr�nkten G�ltigkeit einer auf alle Daten des Seins gleicherma�en anwendbaren Logik bezieht. Doch f�hrt dieser Anspruch zu Problemen, denn wie gesehen erscheint der zwischen den Marken situierte Raum eben nicht in jener geforderten Eindeutigkeit. Aus monokontexturaler Sicht bleibt maximal ein einmaliger Entscheid, ihn unter Absehen aller Schwierigkeiten, entweder als Innen oder Au�en zu definieren, um auf restriktive Weise Identit�t und Widerspruchsfreiheit (gewaltsam) zu garantieren.
Ein redlicher Blick jedoch m��te darauf sehen, da� in Folge der Monokontexturalit�t sich eine eindeutige immanente Widerspr�chlichkeit nicht verhindern l��t, denn es bleibt der Raum f�r die �u�ere Unterscheidung das Innen und umgekehrt. Damit ist aber der entscheidende Hinweis gegeben, auf welchem Weg eine Kl�rung des Problems erzielt werden kann, wurde soeben nicht mehr von dem Raum als absolut gegebenem gesprochen, sondern tauchte er in seinem relationalen Verh�ltnis als das F�r der jeweiligen mark of distinction auf. F�r diese ist er das Au�en, f�r jene das Innen, d.h. die jeweilige Perspektive von der aus der Raum betrachtet wird entscheidet dar�ber, in welcher Funktion er auftritt. Damit aber ist der die Monokontexturalit�t kennzeichnende Absolutheitsanspruch fallen gelassen, insofern nun innerhalb der durch die verschiedenen Perspektiven konstituierten Bereiche gleicherma�en wahre S�tze nebeneinander Bestand haben, die sich innerhalb einer Kontextur ausgesagt, widerspr�chen. Ein solches, in diesem Fall durch zwei Kontexturen12 gebildetes, polykontexturales System erm�glicht also, unter unbedingter Aufrechterhaltung der intrakontexturellen logischen Trinit�t, ein vollst�ndiges und widerspruchsfreies Erfassen des beschriebenen Ph�nomens, insofern die eine Logik sich nun an verschiedenen Stellen verortet sieht. Das solcherart polylogische System bildet sich also als ein System verteilter und vermittelter Kontexturen, innerhalb derer jeweils die eine Logik jene unum schr�nkte G�ltigkeit besitzt, die sie zuvor �ber das gesamte Universum beanspruchte.
Verteilung und Vermittlung logischer Systeme, f�r die die Universalit�t ihres Logozentrismus nur noch eine interne Legitimation besitzt, hei�t dann aber auch das Abgehen von einem Hierarchiedenken, wie es der absolute" Logozentrismus impliziert. Die simultane Gleich-G�ltigkeit der verteilten und vermittelten Systeme l��t keine Unterordnung mehr zu, die im Idealfall von dem einen Punkt absoluter universaler logischer M�chtigkeit ausginge (Gott), statt dessen gilt, such an interchange, i.e. the distribution and mediation of domains is designated as `heterarchy' (hetros = the other and archain = to rule)"13 Somit ist in dem hier verfolgten Kontext f�r die innere Unterscheidung der Raum auf ihrer konvexen Seite immer und f�r alle Zeiten die Au�enseite und nichts anderes, w�hrend mit der gleichen "Absolutheit" eben derselbe Raum innerhalb der anderen Kontextur als das Innen erscheint. Das Selbe ist das Andere, jedoch nicht in relativistischer Beliebigkeit, sondern eindeutig und klar angebbar in Beziehung auf den jeweiligen kontexturalen Einbindungsgrund.14 Dieses Scheitern des Spencer-Brown-Kalk�ls als ein Kalk�l der Selbstreferentialit�t, welches sich in der Widerspr�chlichkeit des zweiten Axioms ank�ndigt, zeigt sich noch in anderer Hinsicht deutlich, wenn die Axiomatik des calculus of indication unter einem f�r G�nther grundlegenden methodologischen Paradigma betrachtet wird, der Reflexionslogik.
1Kaehr weist deutlich auf die nicht zu bew�ltigende Problematik des Unendlichen bzw. der Zeit innerhalb des calculus of indication sowie dessen erweiterter Form hin (vgl. Neue Tendenzen. S.43 - 47), und kann diesbez�glich sogar auf das Eingest�ndnis Varelas hinsichtlich des markierten Defizits zur�ckgreifen. (vgl. F.J. Varela/ J.A. Goguen: The Arithmetic of Closure. in: J. of Cybernetics, Vol.8, 1978, S.291-324, vgl. hier S.299)
2Zu den formallogischen Schwierigkeiten resp. Widerspr�chen des re-entry vgl. F.J. Varela: A Calculus for Selfrefence. S.6; R. Kaehr: Neue Tendenzen. S.26-30; sowie der dort angef�hrte Kauffmann: ????????????. in: J. Gen. Systems, Vol.4, 1978, S.???-???, hier S.180 SIEHE EVA-TEXT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
3G. Spencer Brown: a.a.O., S.1
4vgl. a.a.O.,S.5. Als Analogon des hierin angelegten Prinzipes l��t sich etwa hinzuziehen, da� durch das unbegrenzte Anh�ufen von Eisw�rfeln die schon bei einem einzigen W�rfel erreichte Temperatur von 0C nicht weiter vermindert wird.
5a.a.O., S.2
6vgl.a.a.O., S.5. Von den Schwierigkeiten einer Notation unter Auslassen des Leerzeichen sei hier nur ein Problem erw�hnt. Wenn eine Gleichung sich immer in beide Richtungen lesen k�nnen lassen mu�, dann gilt aber f�r den hier vorliegenden Fall ex nihilo quodlibet.
7Once a distinction is drawn, the spaces, states, or contents on each side of the boundary, being distinct, can be indicated." a.a.O., S.1.
8a.a.O., S.5
9a.a.O., S.3. Hervorhebung im Original.
10Es mag an dieser Stelle der Einwand erhoben werden, da� das hier vorgef�hrte Problem ein Scheinproblem sei, da sich die Schwierigkeit bzgl. des Zwischenraumes" allein aufgrund einer ungerechtfertigten Interpretation des law of crossing ergebe. Denn wenn es dort hei�e ... to cross a boundary and then [...] to cross it again ..." (a.a.O., S.2. Hervorhebung von J.C.), dann gehe daraus eindeutig hervor, da� es sich um eine Grenze handele, die allein zweimal �berschritten werde, folglich also �berhaupt kein Raum zwischen zwei Markierungen auftreten k�nne. Zu dieser Berufung auf die konzeptionellen Ausf�hrungen innerhalb des Gesetztes der �berschreitung mu� jedoch gesagt werden, da� diese nicht isoliert stehen und demgem�� nicht als isolierte S�tze gelesen werden d�rfen. Vielmehr zeigt sich, da� der �bergang von der Konzeption zur Formalisierung wieder jene Diskrepanz mit sich bringt, die bereits oben festgestellt wurde. So hei�t es in Kapitel 2, das die Notation der beiden Axiome bestimmt, Call the parts of the space shaped by the severance or cleft the sides of the distinction or, alternatively, the spaces, states, or contents distinguished by the distinction."(a.a.O., S3. Hervorhebung von J.C.) Gilt dies f�r jede Unterscheidung (Call the space cloven by any distinction, together with the entire content of the space, the form of distinction. ebd.), und werden innerhalb der form of condensation getrennt notierte marks of distinction als jeweils eigenst�ndige Unterscheidungen identifiziert (Sonst w�re der Ausdruck | | = | keiner Erw�hnung wert, da er gleichbedeutend mit | = | w�re.), so mu� dies auch f�r die form of cancellation gelten. D.h. das zweimalige Auftreten des mark of distinction mu� als formaler Ausdruck f�r das zweimalige Ziehen einer Unterscheidung, also f�r zwei distinkte Unterscheidungen aufgefa�t werden. Dabei ist es dann gleichg�ltig, ob diese zwei Unterscheidungen als der im law of crossing angesprochene doppelte Grenz�bertritt einer Grenze interpretiert werden, denn die form of distinction legt eindeutig fest, da� jede Unterscheidung ihren eigenen Raum (innen und au�en) mit klar angebbarem Inhalt bildet. D.h. der im law of crossing erhobene Anspruch, es handele sich um eine Grenze, die zweimal �berschritten werde, wird hinsichtlich der Formalisierung innerhalb der form of cancellation irrelevant, insofern die an dieser Stelle auf sich selbst angewandte Unterscheidung notwendig mit zwei marks of distinction, und also mit zwei von diesen konstituierten Innen- bzw. Au�enr�umen arbeiten mu�. Allein auf diese in der Formalisierung angelegte Ambiguit�t aber bezieht sich die hier erhobene Kritik, die also durch den Verweis auf eine Grenze g�nzlich unber�hrt bleibt.
11Obwohl von Spencer Brown sicherlich nicht in dieser Weise intendiert, tr�gt das Axiom also v�llig zurecht seinen Namen, da es sich aufgrund der vorangehenden Voraussetzungen selbst durchstreicht, widerspricht, ausstreicht (to cross), bzw. aufhebt, widerruft, ung�ltig macht (to cancel).
12Die Rede, da� sich zwei Kontexturen zu einem komplexeren System zusammenschlie�en, geht eigentlich fehl, da f�r ihren Zusammenschlu�, oder besser ihre Vermittlung, immer eine dritte Kontextur notwendig vorausgesetzt wird. Im vorliegenden Fall ist dies etwa der gerade geschriebene Text, was aber nicht bedeutet, da� die Vermittlungskontextur einem Super-Standpunkt gleichk�me. Wichtig allein ist, da� die Minimalbedingung f�r einen verbundkontexturalen Zusammenschlu� in drei Elementarkontexturen zu sehen ist, auf deren intrikates Vermittlungsverh�ltnis explizit im zweiten Teil eingegangen wird.
13R. Kaehr, E. v. Goldammer: Cognitive Modelling for `Advanced Robotics'. Machine Learning - Heterarchy - Polycontexturality. in: Preprints, Mutual Uses of Support, Society and Culture. Amsterdam 1991, S193-207, hier S.198 (Hervorhebung im Original.) Der Begriff der Heterarchie geht namentlich auf W.S. McCulloch zur�ck, der im Anschlu� an die mit W. Pitts verfa�te Studie �ber die Logifizierung neuronaler Prozesse (A Logical Calculus of the Ideas Immanent in Nervous Activity. in: Bull.Math.Phys. 5, 1943, S.115-118) auf die Notwendigkeit hinweist, diese als heterarchisch strukturierte zu erfassen. W.S. McCulloch: A Heterachy of Values Determined by the Topology of Nervous Nets. in: Bull.Math.Biopys. 7, 1945, S.89-93. Beide Aufs�tze auch in: ders.: Embodiments of Mind. The MIT Press, Cambridge, MA, 1988. Um zu verdeutlichen, wie sich das komplexe Zusammenspiel von Heterarchie und Hierarchie im Rahmen einer polykontexturalen Struktur ausbildet, l��t sich wie folgt �bersetzen. In the terminology of poly-contexturality, heterachy is constituted inter-contextural, whereas intra-contexturally all descriptions (of systems or processes) are hierarchically structured. Intra-contexturally, i.e. within the locig of the contexture, the transitivity law holds rigorously, as do all classic logical rules." R. Kaehr, E.v. Goldammer: Problems of Autonomy and Discontexturality in the Theory of Living Systems. in : D.P.F. M�ller, O. Richter (Hgg): Analyse dynamischer Systemen in Medizin, Biologie und �kologie. Heidelberg et al. 1991, S. 3-12, hier S.11
14Die hier in Anlehnung an eine Perspektivenverschiebung angef�hrte Diskontexturalit�t, i.e. der strukturelle Abbruch, der zwischen zwei Kontexturen existiert" (G. G�nther: Beitr�ge III, S.188f), darf nicht dazu verf�hren, Polykontexturalit�t konzeptionell in die N�he eines Perspektivismus oder Relativismus zu r�cken, da beide immer noch einer monokontexturalen Struktur verpflichtet sind. Zwar lassen sich im ersteren Fall unterschiedliche Standpunkte ausmachen, die sich hinsichtlich des Wissens um die Totalit�t der Welt als defizit�r verstehen, sowie sich dem Relativismus die Revisionsbed�rftigkeit seiner Erkenntnisse aus dem grunds�tzlichen Wandel der zu erkennenden Welt erschlie�t, doch bleiben beide Ans�tze bei aller Offenheit grunds�tzlich in einem homogenen Raum des Erkennens, der sich allein aufgrund subjektiver Begrenztheit, bzw. kontinuierlicher Ver�nderung des Objektes dem vollst�ndigen Zugriff entzieht. Die solcherart vollzogenen Absage an ein vollst�ndig zu erlangendes Wissen, setzt also trotz der je verschieden Perspektivenwechseln - bei dem einen synchron, beim anderen diachron - immer noch das eine Universum als den eigentlichen Erkenntnisgegenstand voraus, wenn auch nun im Bewu�tsein, ihn niemals vollst�ndig erreichen zu k�nnen. Damit jedoch gelangen beide Positionen nicht in die Tiefe der Polykontexturalit�t, die mittels diskontexturaler Abbr�che dieses eine Universum selbst aufgibt, um es in die Vielheit der kategorial von einander getrennten Elementarkontexturen aufzusplittern. D.h. keine wie auch immer geartete relativistische Position, f�r die stellvertretend die oben genannten Spielarten aufgef�hrt wurden, gelangt je an die Grenze echter Diskontexturalit�t, da sie sich immer nur als Proklamationen eines bedauerlicherweise nicht erreichbaren, dennoch grunds�tzlich nicht in Frage gestellten Ideals geb�rden. Und selbst wenn eine solche Position sich dazu bereit erkl�rt, die grunds�tzliche Andersheit und Nichtzug�nglichkeit der (Erkenntnis)Welt f�r jeden Einzelfall zu konzedieren, so ist sie auf dem Boden der ihr allein zug�nglichen klassischen zweiwertigen Logik zur Undenkbarkeit ihrer selbst verurteilt. Aus diesem Grund kommt auch eine Interpretation des Kontexturbegriffs als System/Subsystem dem wesentlichen Aspekt von Polykontexturalt�t nicht nahe, da Subsysteme sich zwar �hnlich den Elementarkontexturen zu gr��eren Verb�nden zusammenschlie�en k�nnen, sich jedoch keine logische Autarkie" innerhalb eines Subsystems gegen�ber einem anderen feststellen l��t. Das Systemparadigma erlaubt f�r sich genommen noch keine simultane Gleich-G�ltigkeit verschiedener Standpunkte, sondern erm�glicht allein den je neu zu vollziehenden Standortwechsel, der dann wieder als absolut erscheint. Polykontextural vermitteltete Systeme aber stehen in echter Heterarchie, d.h. als gleichzeitig f�r sich absolute, wobei diese Absolutheit sich durch die simultane Absolutheit der anderen Kontexturen selbst wieder unterminiert, also die dem Absolutheitsbegriff implizite Hierarchie interkontextural wieder aufl�st.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |